Ich bin also im Süden Italiens gelandet – weil mein Camper offenbar einen sehr eigenen Sinn für „Urlaub“ hat und ich ihm ehrlich gesagt nicht mehr ganz widerspreche. Irgendwo zwischen Olivenbäumen, staubigen Straßen und diesem Licht, das alles sofort nach Film aussehen lässt.
Meine Hündin liegt neben mir. Weiblich, selbstverständlich mit mehr Charakter als manche Menschen, die ich kenne. Sie schaut mich an, als hätte sie mich nicht adoptiert, sondern als hätte sie einen langfristigen Forschungsauftrag übernommen: „Verhalten eines leicht chaotischen Menschen auf Sinnsuche unter mediterranen Bedingungen.“
Ich nenne sie manchmal meine Navigatorin. Sie ignoriert das konsequent.
Der VW-Camper hat inzwischen diesen leicht müden, aber stolzen Ausdruck angenommen, den nur Fahrzeuge haben, die schon zu viel gesehen haben, aber noch nicht bereit für Rente sind. Wir verstehen uns gut.
Abends finde ich wieder so eine Klippe. Natürlich. Ich bin mittlerweile überzeugt, dass ich keine Reise mache, sondern ein sehr langsames Abonnementsystem für spektakuläre Aussichtspunkte habe.
Meer unten, Himmel oben, dazwischen ich – mit einem Glas Wein, das ich sehr bewusst halte, als wäre es ein spirituelles Objekt und nicht das Ergebnis eines Einkaufs „nur kurz was holen“ im Dorf, wo ich eigentlich nur Brot wollte.
Und dann passiert es wieder.
Dieses frühere Leben. Dieses Roma-Gefühl, diese Musik im Blut, diese Bilder von Feuer, Gesang, Bewegung. Ich sehe mich tanzen, wild, frei, völlig im Moment. Ich bin mir ziemlich sicher, ich war damals mindestens drei Zentimeter größer und hatte definitiv weniger Rückenschmerzen.
Meine Hündin seufzt neben mir. Ich glaube, sie kennt diese Szenen inzwischen. Sie wirkt nicht überrascht, eher wie jemand, der sagt: „Ah, wieder Film im Kopf. Gut, ich bleib einfach hier liegen und überwache das emotional instabile Männchen.“
Ich nehme einen Schluck Wein und sage laut in die Landschaft: „Also gut. Früheres Leben als tanzender Freigeist. Und jetzt? Camper, Hund und gelegentlich existenzielle Rückblenden.“
Meine Hündin hebt kurz den Kopf, als würde sie sagen: „Immerhin besser als Büro.“
Und ehrlich gesagt… sie hat recht. 😉🙃😇😘