Campen und ein anderes Leben

Veröffentlicht am 26. Mai 2026 um 10:15

Mein Camper und ich – wir verstehen uns. Wirklich. Er springt an, wenn ich den Schlüssel drehe, fährt brav dahin, wo ich hinwill, und tut nicht so, als wäre jede Steigung eine existenzielle Krise. Eine gesunde, stabile Beziehung also. Tut auch mal gut.

Ich rolle irgendwo im Süden von Italien die Küstenstraße entlang, Fenster offen, Musik läuft (okay, manchmal nur in meinem Kopf), und mein Hund sitzt neben mir wie ein stiller Beifahrer mit sehr klaren Prioritäten: Fahrtwind, Snacks, keine plötzlichen Tanzanfälle während der Fahrt.

Ich bin allein unterwegs. Offiziell zumindest. Inoffiziell… habe ich offenbar noch ein paar andere Versionen von mir dabei.

Am Abend parke ich irgendwo mit Blick aufs Meer. Kein großes Setup, kein Feuer, kein „Into the Wild“-Moment. Ich setze mich einfach hin, lehne mich an den Camper, mache ein Bier auf und denke: "Ja. Genau so.“ Mein Hund legt sich daneben. Zufrieden. Endlich passiert mal nichts Komisches. Ich nehme einen Schluck, schaue aufs Wasser, alles ruhig… und dann – wie aus dem Nichts – ist sie wieder da.

Diese Melodie. Ich verdrehe leicht die Augen und murmele: " Ach komm, nicht schon wieder…“ Zu spät. Ich fange an zu summen. Mein Hund hebt langsam den Kopf. Dieser Blick ist inzwischen sehr geübt: Bitte bleib einfach sitzen.

Ich bleibe sitzen. Wirklich. Ich reiße mich zusammen. Ich bin erwachsen. Ich habe ein Bier in der Hand. Ich habe Kontrolle... für ungefähr 30 Sekunden.

Dann wird aus Summen Singen. Leise zuerst. Dann weniger leise. Und plötzlich habe ich wieder dieses Gefühl, als würde irgendwas durch mich durchlaufen, das älter ist als ich selbst. Und ich denke mir so: "Okay, interessant. Entweder ich habe eine sehr lebendige Fantasie… oder ich war früher wirklich jemand, der ständig irgendwo gesungen hat.“

In meinem Kopf blitzen Bilder auf – Menschen, Bewegung, Musik, dieses freie, ungebundene Leben. Roma. Unterwegs sein, tanzen, dazugehören, ohne irgendwo festzuhängen. Und jetzt? Sitze ich hier. Mit Bier. Mit Hund. Mit Camper.

Und ganz ehrlich – so groß ist der Unterschied gar nicht. Ich schaue meinen Hund an und sage:

„Wenn ich früher wirklich Teil von so einer singenden, tanzenden Gruppe war…“ er hebt nicht mal mehr den Kopf.

„…dann habe ich mich heute einfach etwas… reduziert.“

Er atmet tief aus. Zustimmung? Resignation? Schwer zu sagen. Ich nehme noch einen Schluck Bier, lehne mich zurück und lasse dieses Gefühl einfach da sein. Ohne großes Drama. Ohne Feuer, ohne Bühne.

Nur ich, mein Hund, dieser ruhige Abend – und irgendwo in mir ein Echo von etwas, das sich immer noch ziemlich lebendig anfühlt.

Allein bin ich trotzdem.

Aber nicht leer. Eher so… voll auf eine ruhige Art. 🎶💖🎶