Tiefgründigkeit

Veröffentlicht am 21. Juni 2026 um 15:03

Meine Geschichte: Von pubertierenden Schülern und weisen Falten

Mit 65 Jahren blicke ich auf ein buntes Berufsleben zurück. Jahrzehntelang unterrichtete ich pubertierende Jugendliche – eine Spezies, die täglich beweist, dass Logik nicht immer die höchste Priorität im Universum besitzt.

Eines Tages fragte ich einen 14-jährigen Schüler:

„Warum hast du deine Hausaufgaben nicht gemacht?“

Er antwortete:

„Weil ich meinen inneren Frieden gesucht habe.“

Ich war beeindruckt.

„Und? Hast du ihn gefunden?“

„Nein. Aber die Playstation war näher.“

Damals musste ich lachen. Heute denke ich: Der Junge war vielleicht ehrlicher als viele Erwachsene.

Später arbeitete ich in der Erwachsenenbildung und als Coach. Dort begegnete ich Menschen, die erfolgreich, fleißig und kompetent waren – und trotzdem spürten, dass etwas fehlte.

Sie kamen mit Fragen wie:

„War das schon alles?“

„Wer bin ich ohne meine Rolle?“

„Warum bin ich ständig erschöpft?“

Und oft begann die eigentliche Reise nicht im Außen, sondern im Inneren.

Von außen nach innen

Früher glaubte ich, das Leben sei wie eine To-do-Liste. Heute sehe ich es eher wie einen Garten.

Man kann Unkraut zupfen, neue Blumen pflanzen, Kompost aus alten Erfahrungen machen und gelegentlich feststellen, dass man jahrelang eine Distel gegossen hat, weil man dachte, sie sei eine Rose.

Tiefgründigkeit hat mir geholfen, genauer hinzuschauen.

Nicht nur auf andere. Vor allem auf mich selbst. Zuhören – die unterschätzte Superkraft

Als Lehrerin, Erwachsenenbildnerin und Coachin habe ich gelernt: Menschen brauchen oft weniger Ratschläge als offene Ohren.

Manchmal entsteht Veränderung nicht durch kluge Antworten, sondern durch echtes Zuhören.

Wenn jemand sich wirklich gehört fühlt, beginnt oft etwas in ihm zu heilen.

Und manchmal genügt ein Satz:

„Erzähl mir mehr.“

Die spirituelle Dimension

Für mich bedeutet Spiritualität nicht, ständig auf Wolke sieben zu schweben.

Sie bedeutet vielmehr:

🌹 Saunen können

😁 Verbundenheit spüren

🍀 Vertrauen entwickeln

🙃 Sinn entdecken

Manchmal finde ich Spiritualität in einer Meditation, manchmal beim Spaziergang mit meiner Hündin.  Und manchmal beim Beobachten eines Teenagers, der verzweifelt versucht, sein Passwort zum fünften Mal zurückzusetzen.

Das Leben hat Humor.

Zum Glück.

Mein Fazit

Tiefgründigkeit ist kein Wettbewerb darin, möglichst kompliziert zu denken.

Sie ist eine Einladung:

bewusster zu leben,

genauer hinzuhören,

freundlicher mit sich selbst zu sein,

und immer wieder nach innen zu schauen.

Mit 65 weiß ich nicht auf alles eine Antwort.

Aber ich habe gelernt, die richtigen Fragen zu schätzen. Und vielleicht ist genau das die wahre Tiefgründigkeit: Nicht alles wissen zu müssen, sondern offen zu bleiben für das, was das Leben uns noch zeigen möchte.

Und falls Sie heute Ihren inneren Frieden suchen:

Schauen Sie zuerst nicht auf die Playstation.

Die Erfahrung zeigt, dass die Chancen dort eher begrenzt sind. 😊