Oder: Wie ich 12 Stunden fast tot war und trotzdem zu spät zu mir selbst kam
Mit 57 Jahren stieg ich auf mein Fahrrad – und ahnte nicht, dass ich kurz darauf eine Reise antreten würde, für die es weder Packliste noch Rückfahrkarte gab.
Nach meinem Unfall war ich für zwölf Stunden auf der anderen Seite. Ja, genau dort, wo man angeblich nur mit einem One-Way-Ticket hinkommt. Ich durfte einen Blick in meine vertraute Seelenlandschaft werfen – einen Ort voller Frieden, Licht und einer Liebe, für die unsere Sprache eigentlich viel zu klein ist.
Und dann? Kam ich zurück.
Ganz ehrlich: Die Rückreise war deutlich holpriger als der Hinweg.
Denn zurück auf der Erde warteten weder Harfen noch Wolken, sondern Krankenhausbetten, Schmerzen, Verwirrung, Depressionen und die ziemlich unbequeme Aufgabe, mein altes Leben loszulassen, auch eine nicht nährende, toxische Beziehung...
Ich hatte geglaubt, nach einer Nahtoderfahrung würde man automatisch erleuchtet durchs Leben schweben. Stattdessen stand ich oft ratlos in der Küche und fragte mich, warum ich schon wieder vergessen hatte, weshalb ich den Kühlschrank geöffnet hatte.
Die eigentliche Reise begann also nicht im Himmel – sondern hier, wieder auf dieser Erde.
Erst durch die tiefsten Tiefen lernte ich die höchsten Höhen kennen. Erst als ich alles verloren glaubte, fand ich langsam den Weg zurück zu mir selbst. Nicht zu der Frau, die ich einmal gewesen war, sondern zu der Seele, die ich immer schon war.
Heute sehe ich mein zweites Leben als Geschenk. Nicht, weil plötzlich alles leicht geworden wäre. Sondern weil ich gelernt habe, dass Licht nicht bedeutet, keine Dunkelheit zu kennen. Licht bedeutet, den Weg hindurch gefunden zu haben.
Wenn ich heute Menschen begleite, dann nicht aus Büchern oder Theorien heraus. Sondern, weil ich selbst gefallen bin. Weil ich den Himmel gesehen habe. Weil ich zurückgekommen bin. Und weil ich erfahren durfte, dass selbst die größten Umwege manchmal genau dorthin führen, wo unsere Seele schon immer hinwollte.
Dieser Blog ist keine Anleitung zum perfekten Leben.
Er ist eine Einladung zum echten Leben.
Mit Tränen, Lachen, kleinen Wundern, großen Fragen und einer ordentlichen Portion Humor. Denn wenn ich eines gelernt habe, dann das: Selbst nach einem Blick in den Himmel muss man hier unten manchmal erst wieder lernen, über sich selbst zu lachen.
Willkommen auf meinem zweiten Lebensweg.
Schön, dass du mitgehst. 😉