Vertrauen – oder wie ich lernte, meiner inneren Stimme wieder zuzuhören
Vertrauen. Was für ein kleines Wort. Und was für eine riesengrosse Aufgabe.
Mit 57 Jahren wurde mein Leben nach einem schweren Velounfall mit Schädelhirntrauma auf den Kopf gestellt. Von einem Tag auf den anderen war nichts mehr selbstverständlich. Nicht mein Beruf, nicht meine Kraft, nicht einmal mein eigenes Denken. Mein Gehirn schien manchmal auf "Bitte warten..." zu stehen – nur leider ohne Fortschrittsbalken.
Ich, die immer andere unterstützt hatte, musste plötzlich selbst lernen, Hilfe anzunehmen. Ehrlich gesagt: Das war nicht gerade meine Lieblingsdisziplin.
Dann kam die psychische Krise. Tiefer konnte ich gefühlt nicht sinken. Ich hatte das Gefühl, irgendwo in den Tiefen des Meeres zu sitzen – ohne Kompass, ohne Landkarte und manchmal sogar ohne Luft.
Und trotzdem... irgendwo tief in mir war ein kleines Licht. Es flüsterte: "Vertrau. Auch wenn du den Weg noch nicht siehst."
Vertrauen wächst nicht über Nacht. Es wächst in kleinen Schritten. Wenn man morgens aufsteht, obwohl man lieber unter der Bettdecke bleiben würde. Wenn man spazieren geht, obwohl die Gedanken Karussell fahren. Wenn man wieder einmal herzhaft lacht – und sich dabei fast erschrickt, weil es sich so ungewohnt anfühlt.
Irgendwann begann ich wieder zu tanzen. Erst zaghaft in der Küche. Mein Hund schaute mich an, als wollte er fragen: "Ist das jetzt ein Notfall oder einfach schlechte Musik?" Heute weiss er: Frauchen tanzt, weil ihre Seele wieder atmet.
Ich entdeckte meine eigenen Ressourcen neu. Nicht die, die ich früher hatte – sondern neue. Tiefere. Echtere. Ich fand meine Bestimmung wieder. Menschen auf ihrem Weg zu begleiten. Nicht, weil ich alles weiss. Sondern weil ich den Weg durch die Dunkelheit selbst gegangen bin.
Heute weiss ich: Vertrauen bedeutet nicht, keine Angst mehr zu haben. Vertrauen bedeutet, trotz Angst den nächsten Schritt zu gehen.
Vielleicht fühlst du dich im Moment auch instabil. Vielleicht kennst du diese Tage, an denen die Gefühle Achterbahn fahren und du dich fragst, ob du jemals wieder ganz bei dir ankommst.
Ich möchte dir sagen: Ja, das kannst du.
Nicht, weil das Leben plötzlich perfekt wird. Sondern weil auch in dir Kräfte schlummern, die du vielleicht noch gar nicht kennst.
Manchmal braucht es jemanden, der eine Weile an dich glaubt, bis du selbst wieder daran glauben kannst.
Genau dabei begleite ich Menschen in meinem Coaching – mit viel Herz, einer Prise Humor, ehrlichem Mitgefühl und der tiefen Überzeugung, dass in jedem Menschen ein strahlender Wesenskern darauf wartet, wieder entdeckt zu werden.
Und glaub mir: Das Leben hat oft einen überraschenden Sinn für Humor. Manchmal führt uns gerade der grösste Umweg genau dorthin, wo unsere Seele schon immer hinwollte.
Vertraue dir. Schritt für Schritt.
Vielleicht beginnt heute genau dein neuer Weg.