Lebensfreude – sie trägt weder High Heels noch einen Terminkalender
Gestern sass ich mit einem Glas Wasser vor meinem Camper. Inja döste zufrieden in der Sonne, Ammon, der neue WG Partner, Junghund in der Pubertät hatte beschlossen, dass ein Blatt unbedingt verfolgt werden musste – als hinge das Überleben der Menschheit davon ab. Ich musste laut lachen.
Da war sie. Die Lebensfreude.
Nicht angekündigt. Nicht geschniegelt. Nicht perfekt. Sie kam einfach vorbei.
Früher dachte ich, Lebensfreude müsse etwas Grosses sein. Ein Traumurlaub. Die grosse Liebe. Ein Lottogewinn. Heute, mit 65 Jahren und nach einem schweren Velounfall, weiss ich: Lebensfreude ist viel bescheidener. Und gleichzeitig unendlich kostbar.
Sie versteckt sich im Duft des Waldes, im ersten Kaffee am Morgen, in einem Tanz durch die Küche, obwohl niemand zuschaut. Sie zeigt sich, wenn ein Hund dich anschaut, als wärst du der wunderbarste Mensch auf dieser Erde. Oder wenn du über dich selbst lachen kannst, weil du zum dritten Mal deine Brille suchst – und sie die ganze Zeit auf deiner Nase sitzt.
Lebensfreude ist kein Dauerzustand.
Zum Glück!
Stell dir vor, wir würden den ganzen Tag grinsend wie Honigkuchenpferde herumlaufen. Das wäre auf Dauer ziemlich anstrengend.
Nein, Lebensfreude kommt in Wellen. Mal laut, mal leise. Manchmal verschwindet sie sogar eine Zeit lang. Gerade nach Krisen, Verlusten oder gesundheitlichen Schicksalsschlägen scheint sie sich irgendwo zu verstecken.
Ich kenne das.
Nach meinem Schädelhirntrauma musste ich mein Leben völlig neu kennenlernen. Es gab Tage, an denen ich dachte: "War das jetzt alles?"
Heute weiss ich: Nein. Es war erst der Anfang eines anderen, vielleicht sogar tieferen Lebens.
Ich habe gelernt, die kleinen Dinge zu feiern. Einen Sonnenuntergang. Ein herzliches Gespräch. Ein Glas Wein im Camper. Das Rauschen eines Flusses. Das Gefühl, wieder ganz bei mir anzukommen.
Und weisst du, woran du Lebensfreude bei anderen erkennst?
Nicht daran, dass sie ständig lachen.
Sondern daran, dass ihre Augen leuchten.
Dass sie neugierig geblieben sind.
Dass sie auch nach einem Regentag wieder hinausgehen.
Dass sie Freude teilen können.
Dass sie anderen Mut machen.
Lebensfreude entsteht nicht dadurch, dass alles perfekt ist.
Sie entsteht, wenn wir aufhören, auf Perfektion zu warten.
Wie kannst du deine Lebensfreude fördern?
Geh in die Natur und lass dein Handy einmal Pause machen.
Tanze zu deinem Lieblingslied – egal, wie elegant oder unelegant.
Triff Menschen, bei denen du einfach du selbst sein darfst.
Lache über deine kleinen Missgeschicke.
Erinnere dich jeden Abend an drei schöne Momente des Tages.
Verbringe Zeit mit Tieren. Sie sind wahre Meister der Lebensfreude.
Und frage dich öfter: Was würde meinem Herzen heute guttun?
Manchmal braucht es dafür allerdings Unterstützung.
Wenn schwere Erfahrungen, alte Verletzungen oder Selbstzweifel den Blick auf das Schöne verdecken, darf man sich begleiten lassen.
Genau dabei unterstütze ich Menschen in meinem Coaching.
Nicht, indem ich ihnen sage, wie sie leben sollen.
Sondern indem ich ihnen helfe, wieder Zugang zu ihren eigenen Ressourcen, ihrer inneren Kraft und ihrer ganz persönlichen Lebensfreude zu finden.
Denn sie ist nie wirklich verschwunden.
Sie wartet nur darauf, wieder entdeckt zu werden.
Und vielleicht beginnt sie heute – mit einem Lächeln, einem Spaziergang oder einem Hund, der einem Blatt hinterherjagt.
Man weiss ja nie. 🐕