Verzeihen

Veröffentlicht am 4. August 2026 um 12:31

Verzeihen – oder möchtest du den alten Ärger wirklich bis ins Altersheim mitnehmen?

Hand aufs Herz.

Gibt es jemanden, dem du seit Jahren innerlich eine saftige Standpauke hältst?

Vielleicht täglich.

Vielleicht sogar unter der Dusche.

Der Witz daran? Die Person ist wahrscheinlich gerade gemütlich beim Kaffee, streichelt den Hund oder plant den nächsten Urlaub – und hat keine Ahnung, dass sie in deinem Kopf noch immer die Hauptrolle spielt.

Blöd gelaufen.

Für wen?

Für dich.

Ich kenne dieses Festhalten nur zu gut. Nach meinem Schädelhirntrauma hätte ich dem Leben locker die Freundschaft kündigen können. Ehrlich. Es gab Tage, da hätte ich am liebsten eine Beschwerde-Hotline beim Universum angerufen.

"Hallo? Ich hätte da gerne mein altes Leben zurück. Quittung habe ich leider keine mehr."

Hat nicht funktioniert.

Also blieb mir etwas anderes: hinschauen. Fühlen. Trauern. Fluchen. Wieder lachen. Und irgendwann merken, dass Verzeihen nichts mit den anderen zu tun hat.

Es hat mit Freiheit zu tun.

Viele glauben, Verzeihen bedeute: "Dann war ja alles halb so schlimm."

Nein.

Es war schlimm.

Es tat weh.

Vielleicht war es sogar zutiefst ungerecht.

Aber wenn ich den Schmerz jeden Tag wieder aus dem Keller hole, abstaube und auf den Wohnzimmertisch stelle, lebt er gemütlich bei mir weiter. Mietfrei.

Irgendwann habe ich beschlossen: Der darf ausziehen.

Im Coaching begegne ich oft Menschen, die unglaublich liebevoll mit allen anderen sind. Nur mit sich selbst nicht.

Für die beste Freundin hätten sie Verständnis.

Für den Nachbarn auch.

Für den Hund sowieso.

Aber für sich selbst?

Keine Chance.

Da sitzt der innere Richter mit verschränkten Armen und ruft seit zwanzig Jahren: "Nicht genügend!"

Ganz ehrlich? Der Typ gehört in Pension.

Was wäre, wenn dein inneres Kind heute einmal das Mikrofon bekäme?

Nicht das brave.

Nicht das verletzte.

Sondern das neugierige, freche Wesen, das noch wusste, wie man über Unsinn lacht, barfuß durchs Leben rennt und Regen nicht automatisch als schlechtes Wetter betrachtet.

Vielleicht würde es sagen:

"Jetzt hör endlich auf, ständig zurückzuschauen. Da läufst du ja dauernd gegen die nächste Laterne."

Ich liebe diese Momente im Coaching, wenn Menschen plötzlich lachen müssen. Über sich selbst. Über ihre alten Geschichten. Nicht aus Respektlosigkeit – sondern weil sie merken: Ich muss mein Leben nicht länger um meine Verletzungen herum organisieren.

Das ist einer der schönsten Augenblicke überhaupt.

Dann wird aus Schwere wieder Leichtigkeit.

Aus Überleben wird Leben.

Und aus einem Menschen, der geglaubt hat, alles verloren zu haben, wird jemand, der wieder staunen kann.

Denn Staunen ist der Anfang von Heilung.

Wer noch staunen kann, kann auch hoffen.

Wer hoffen kann, kann wieder vertrauen.

Und wer vergeben kann – sich selbst und irgendwann vielleicht auch anderen – schenkt sich etwas Unbezahlbares:

Freiheit.

Vielleicht ist das gar nicht das Ende einer Geschichte.

Vielleicht ist es der Anfang deiner.

Und falls du unterwegs jemanden brauchst, der dich daran erinnert, dass Humor manchmal heilsamer ist als Perfektion, dann findest du mich genau dort, wo Menschen wieder lernen, sich zu entfalten, zu strahlen und zu wachsen.

Ohne Heiligenschein.

Aber mit einem ehrlichen Lachen.😉💖