Return again – oder: Der längste Heimweg führt direkt zu dir selbst
"Return again, return again. Return to the land of your soul..."
Als wir dieses Lied im Tanzseminar am Bodensee sangen, begleitet vom Hofmusiker, bekam ich plötzlich Gänsehaut. Nicht, weil ich alle Töne getroffen hätte. (Meine Hunde würden behaupten: "Da gibt's noch Potenzial.") Sondern weil ich spürte: Genau darum geht es im Leben.
Nach Hause kommen.
Nicht in den Camper. Obwohl der im Moment ziemlich gemütlich ist.
Nicht in meine Wohnung.
Sondern in mich.
Ich sitze hier zwischen Tanz, Begegnungen und zwei Königspudeln, die ebenfalls herausfinden dürfen, wer sie eigentlich sind. Inja, die erfahrene Dame, zeigt klare Grenzen. Amon, der Jungspund, entdeckt mutig die Welt. Und ich? Ich lerne mit 65 immer noch, dass Heimkommen kein Ziel ist, sondern ein Tanz.
Wir Menschen glauben oft, wir müssten jemand werden.
Erfolgreicher.Spiritueller.Gelassener.Perfekter.
Dabei flüstert unsere Seele manchmal leise: "Könntest du bitte einfach wieder du sein?"
Was für eine unverschämte Idee.
Denn wir verbringen Jahre damit, Masken zu sammeln. Die brave Tochter. Der starke Mann. Die Perfektionistin. Der Everybody's Darling. Der Mensch, der es allen recht macht. Irgendwann ist der Kleiderschrank voller Rollen – und der Wesenskern fragt höflich an der Tür, ob er auch noch irgendwo wohnen darf.
Zurück zum Wesenskern bedeutet nicht, ein anderer Mensch zu werden.
Es bedeutet, all das abzulegen, was du nie warst.
Wie eine Zwiebel. Nur mit weniger Tränen. Meistens.
Manchmal braucht es dafür eine Krise. Einen Unfall. Eine Trennung. Eine Krankheit. Einen Verlust. Manchmal reicht aber auch ein Lied, ein Tanz oder ein Hund, der dich mit diesem Blick anschaut, als wollte er sagen: "Warum machst du das Leben eigentlich so kompliziert?"
Gute Frage.
Vielleicht, weil wir vergessen haben, dass unsere Seele tanzen will.
Nicht geschniegelt durchs Leben marschieren.
Nicht geschniegelt funktionieren.
Sondern tanzen, tanzen, tanzen.
Durchs Leben tanzen und uns mit unserer Seele verbinden und dort ankomnen, wo wir schon immer existent waren.
Genau das erlebe ich gerade hier am Bodensee. Fremde Menschen begegnen sich. Wir tanzen, lachen, singen. Für einen Moment fallen Berufe, Titel und Geschichten weg. Übrig bleibt etwas Wunderschönes: Menschen.
Echte Menschen.
Und jedes Mal denke ich: Ach ja... da bist du ja wieder.
Vielleicht ist genau das der Sinn von Coaching.
Menschen liebevoll daran zu erinnern, wer sie unter all den Schichten schon immer waren.
Denn dein Wesenskern war nie verloren.
Er hat nur geduldig gewartet.
Bis du endlich wieder nach Hause tanzt.
Return again. Return to the land of your soul.
Ich glaube, unsere Seele singt dieses Lied schon unser ganzes Leben lang. Manchmal hören wir es kaum. Und manchmal – mitten in einem Tanzseminar am Bodensee, mit zwei Hunden, einem Camper und einem offenen Herzen – singen wir plötzlich mit.
Und genau dann beginnt das eigentliche Leben.💜