Sein oder Schein

Veröffentlicht am 14. August 2026 um 20:40

Sein oder Schein – und wer hat eigentlich den besseren Auftritt?

Sein oder Schein?

Eine kleine, aber ziemlich unbequeme Frage.

Bin ich wirklich die, die ich bin – oder spiele ich manchmal eine Rolle, von der ich glaube, dass die Welt sie lieber sehen möchte?

Die brave.

Die Starke.

Die Erfolgreiche.

Die spirituell Erleuchtete, die selbstverständlich auch bei Gegenwind noch tiefenentspannt lächelt.

Ähem. Also ich nicht. Oder sagen wir: nicht immer. 😉

Denn „sich selbst sein“ klingt wunderbar. Fast schon wie ein Wellness-Angebot für die Seele. Aber wenn man genauer hinschaut, wird es plötzlich spannend.

Wer bin ich eigentlich, wenn ich niemandem mehr etwas beweisen muss?

Der Schein hat manchmal ziemlich gute Manieren

Wir Menschen sind erstaunlich begabt darin, uns anzupassen.

Wir lernen früh, was gut ankommt und was eher nicht. Was andere von uns erwarten. Wann wir lieb sein sollen. Stark. Vernünftig. Erfolgreich. Unauffällig. Leistungsfähig.

Und irgendwann merken wir gar nicht mehr, dass wir eine Rolle spielen.

Wir halten den Schein aufrecht – nicht unbedingt, weil wir lügen wollen. Sondern weil wir dazugehören möchten.

Der Haken?

Wenn ich ständig versuche, jemand zu sein, der ich gar nicht bin, wird das Leben irgendwann ziemlich anstrengend.

Denn eine Rolle braucht Energie.

Sein braucht keine Rolle.

Das heisst allerdings nicht, dass „authentisch sein“ bedeutet, jedem ungefiltert alles vor die Füsse zu kippen, was gerade in mir herumturnt.

Authentizität ist nicht:

„Ich bin halt so! Pech gehabt.“

Das ist manchmal einfach nur schlechte Kinderstube mit spirituellem Etikett. 😉

Wahrhaftigkeit bedeutet für mich etwas anderes:

Mich selbst so gut zu kennen, dass ich nicht ständig gegen mich selbst leben muss.

Mein eigener Weg vom Schein zum Sein

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, sehe ich viele Versionen von mir.

Die Lehrerin.

Die Frau, die funktioniert.

Die Starke.

Die Suchende.

Die, die gefallen wollte.

Die, die sich angepasst hat.

Die, die durch schwierige Zeiten gegangen ist.

Und irgendwann immer deutlicher: Esther.

Nicht perfekt. Nicht fertig. Nicht „angekommen“.

Aber immer mehr bei mir.

Mein Leben hat mir auf ziemlich unterschiedliche Weise gezeigt, dass wir nicht alles kontrollieren können. Manche Erfahrungen haben mich ordentlich durchgeschüttelt und Vorstellungen darüber, wie das Leben gefälligst zu sein hat, gründlich durcheinandergebracht.

Und vielleicht war genau darin ein Geschenk verborgen.

Denn manchmal muss das alte Bild von uns selbst ein bisschen bröckeln, damit etwas Echtes darunter sichtbar werden kann.

Nicht das perfekte Ich.

Das wesentliche Ich.

Mein Wesenskern ist kein Wellnessprogramm

Ich glaube, dass jeder Mensch etwas in sich trägt, das schon lange da ist.

Eine Art inneren Wesenskern.

Talente.

Fähigkeiten.

Sehnsüchte.

Intuition.

Lebensfreude.

Kreativität.

Tiefe.

Mut.

Liebe.

Und manchmal auch ordentlich Wut. Die darf übrigens ebenfalls mitkommen. Sie hat nur nicht immer das beste Marketing. 😉

Für mich bedeutet spirituelles Leben nicht, ständig über den Dingen zu schweben.

Im Gegenteil.

Ich möchte mitten im Leben stehen.

Mit beiden Füssen auf der Erde und gleichzeitig verbunden mit dem, was grösser ist als mein kleiner Verstand.

Ich glaube, dass wir nicht zufällig mit bestimmten Ressourcen und Potenzialen ausgestattet sind.

Wir bringen etwas mit.

Und dann beginnt das eigentliche Abenteuer:

Es zu leben.

Nicht nur darüber zu lesen.

Nicht nur darüber zu philosophieren.

Nicht nur ein wunderschönes Visionboard darüber zu kleben.

Sondern es in die Welt zu bringen.

Das Licht darf raus – auch wenn es nicht perfekt ist

Vielleicht ist das eine der grössten Tücken des Seins:

Wir warten darauf, endlich „fertig“ zu sein.

Wenn ich noch etwas gelernt habe.

Wenn ich noch etwas geheilt habe.

Wenn ich noch zehn Kilo weniger habe.

Wenn ich endlich souverän bin.

Wenn mein Leben aufgeräumt ist.

Wenn ich spirituell erleuchtet bin und morgens schon vor dem ersten Kaffee in bedingungsloser Liebe schwebe.

Tja.

Ich warte dann vermutlich noch mit 97. 😉

Vielleicht geht es gar nicht darum, irgendwann fertig zu sein.

Vielleicht geht es darum, immer mehr von dem zu verkörpern, was bereits in uns angelegt ist.

Wir entwickeln uns durchs Leben.

Wir stolpern.

Wir lernen.

Wir verlieren uns.

Wir finden uns wieder.

Wir integrieren unsere Schatten.

Wir entdecken neue Seiten.

Und manchmal stellen wir fest:

Das, was wir so lange loswerden wollten, gehört vielleicht sogar zu unserer Geschichte – und möchte nicht beseitigt, sondern verstanden und integriert werden.

Auch das gehört zum Sein.

Wahrhaftig leben bedeutet nicht, immer glücklich zu sein

Das finde ich wichtig.

Wahrhaftigkeit bedeutet nicht, dass ich ständig strahle.

Manchmal bin ich traurig.

Manchmal wütend.

Manchmal unsicher.

Manchmal ziemlich klar.

Und manchmal habe ich überhaupt keine Ahnung, was ich eigentlich gerade mache.

Auch das darf sein.

Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen Schein und Sein:

Beim Schein muss ich etwas darstellen.

Beim Sein darf ich erleben.

Ich darf fühlen.

Ich darf mich verändern.

Ich darf meine Meinung ändern.

Ich darf sagen: „Das war gestern richtig für mich und heute nicht mehr.“

Und ich darf irgendwann feststellen:

Ich bin nicht hier, um die Erwartungen anderer Menschen möglichst elegant zu erfüllen.

Ich bin hier, um mein Leben zu leben.

Und was hat das mit meinem Coaching zu tun?

Sehr viel.

Denn „Entfalten, strahlen, wachsen“ bedeutet für mich nicht, aus Menschen eine bessere Version von irgendjemandem zu machen.

Es bedeutet, den Weg zurück zu dem zu finden, was bereits in ihnen angelegt ist.

Den eigenen Wesenskern wieder wahrzunehmen.

Verschüttete Ressourcen zu entdecken.

Alte Themen zu integrieren.

Das eigene Licht nicht länger kleinzureden.

Und dann – ganz allmählich – damit sichtbar zu werden.

Nicht lauter. Nicht perfekter. Ncht „besser“.

Echter.

Denn vielleicht braucht diese Welt gar nicht noch mehr Menschen, die perfekt funktionieren.

Vielleicht braucht sie Menschen, die sich wirklich leben.

Menschen, die den Mut haben, ihr eigenes Licht anzuzünden – und nicht ständig nachzuschauen, ob der Nachbar findet, dass die Lampe gut steht.

Ich jedenfalls möchte mein Licht nicht mehr verstecken.

Und wenn es zwischendurch flackert?

Dann mache ich eben den Docht wieder frei.

Oder tanze eine Runde.

Das hilft erstaunlich oft. 😉

Denn am Ende geht es vielleicht gar nicht darum, jemand zu werden.

Sondern darum, immer mehr zu dem Menschen zu werden, der wir im Innersten längst sind.

Das ist für mich wahrhaftiges Sein.

Und genau dort beginnt für mich das eigentliche Strahlen.✨️✨️✨️