Mein Leben - meine Entscheidung

Veröffentlicht am 18. August 2026 um 15:46

Mein Leben. Meine Entscheidung. Dein guter Rat – danke, aber nein danke.

Oder: Warum ich nicht jedes Mal eine Volksabstimmung brauche, bevor ich meinem Herzen folge.

Kennst du das?

Du hast eine Entscheidung getroffen. Nicht aus einer Laune heraus. Nicht nach drei Gläsern Prosecco. Sondern weil etwas in dir ganz klar sagt:

„Ja. Das ist es.“

Und dann erzählst du davon.

Und plötzlich kommen sie.

Die gut gemeinten Stimmen.

„Bist du sicher?“

„In deinem Alter?“

„Ist das wirklich vernünftig?“

„Was, wenn…?“

„Ich würde das ja nicht machen.“

„Denk doch noch einmal darüber nach.“

Und manchmal kommt sogar noch die Königsklasse:

„Ich meine es ja nur gut mit dir.“

Ja. Das glaube ich sogar.

Und trotzdem kann ich mir denken:

„Danke. Aber ich habe dich gar nicht um einen Lebensentwurf gebeten.“

Der Camper und die Sache mit der Vernunft

Als ich beschlossen habe, mir einen Camper zu kaufen, gab es natürlich Menschen, die das kritisch fanden.

Ein Camper kostet Geld.

Ein Camper braucht Platz.

Ein Camper muss gefahren werden.

Ein Camper muss unterhalten werden.

Und überhaupt:

„Was willst du denn damit?“

Meine Antwort könnte lauten:

Leben.“

Ich möchte losfahren können, wenn mir danach ist.

Ich möchte morgens irgendwo aufwachen, wo ich am Abend vorher noch gar nicht wusste, dass ich dort sein werde.

Ich möchte Kaffee kochen, die Tür öffnen und denken:

„Ach. Heute also hier.“

Für manche Menschen ist das unvernünftig.

Für mich ist es Lebensfreude.

Und genau da liegt der Unterschied.

Wir beurteilen das Leben anderer oft durch unsere eigene Brille

Das finde ich eigentlich ziemlich menschlich.

Wir alle haben unsere Erfahrungen, Ängste, Werte und Vorstellungen davon, wie ein „gutes Leben“ auszusehen hat.

Der eine braucht Sicherheit.

Die andere braucht Freiheit.

Der eine möchte ein Haus, Garten und festen Wohnsitz.

Die andere möchte mit dem Camper durch Italien tingeln.

Der eine findet das wunderbar.

Die andere bekommt schon beim Gedanken daran Herzklopfen.

Und keiner von beiden liegt falsch.

Wir sind einfach verschieden.

Was für den einen Sicherheit bedeutet, fühlt sich für den anderen wie Gefängnis an.

Was für die eine Freiheit bedeutet, erlebt der andere als Chaos.

Und was für mich ein Abenteuer ist, kann für dich einfach nur Stress sein.

Das ist vollkommen in Ordnung.

Ich muss dein Leben nicht verstehen, um es zu respektieren

Das ist für mich eine der wichtigsten Formen von Freiheit:

Ich darf Menschen anders sein lassen.

Ich muss nicht verstehen, warum jemand so lebt, wie er lebt.

Ich muss nicht gutheißen, was jemand tut.

Aber ich kann anerkennen:

„Das ist dein Weg.“

Und genau dieselbe Freiheit wünsche ich mir auch von anderen.

Ich bin nämlich nicht hier, um eine möglichst perfekte Version eines gesellschaftlich akzeptierten Lebens zu führen.

Ich bin hier, um mein Leben zu leben.

Und das darf mit 65 durchaus noch Überraschungen enthalten.

Vielleicht sogar gerade deshalb.

Lebenserfahrung ist wertvoll – aber sie ist kein Navigationssystem für andere

Natürlich höre ich mir die Meinung von Menschen an, die mir wichtig sind.

Lebenserfahrung kann Gold wert sein.

Manchmal sehen andere etwas, das ich gerade übersehe.

Deshalb frage ich mich bei Kritik durchaus:

Ist da etwas für mich drin?“

Wenn ja: wunderbar.

Dann nehme ich es mit.

Wenn nein:

Danke, zurück ins Regal.

Denn Lebenserfahrung bedeutet nicht automatisch, dass jemand meinen Weg kennt.

Ein Mensch kann 80 Jahre gelebt haben und trotzdem nicht wissen, was sich für mich richtig anfühlt.

Und ich kann 65 Jahre gelebt haben und trotzdem etwas tun, was andere für völlig verrückt halten.

Vielleicht ist genau das ein Teil von Entwicklung:

Nicht immer nur das Bekannte zu wiederholen.

Und dann ist da noch mein Wesenskern

Ich glaube, dass wir tief in uns etwas tragen, das sehr genau weiß, was zu uns gehört.

Manchmal ist diese Stimme leise.

Sehr leise.

Während die Stimmen von außen gerne Megafon spielen.

„Das macht man nicht!“

„Das ist doch viel zu riskant!“

„Was werden die Leute denken?“

„Sei vernünftig!“

Unser Wesenskern sagt dagegen vielleicht nur:

Ich möchte das.“

Oder:

Das fühlt sich richtig an.“

Oder einfach:

Los.“

Und vielleicht besteht Erwachsenwerden – auch mit 65 noch – darin, immer besser unterscheiden zu lernen:

Ist das wirklich meine Angst?

Oder ist es die Angst eines anderen, die ich gerade übernehme?

Ist das mein Zweifel?

Oder der Zweifel meiner Freundin?

Ist das meine Wahrheit?

Oder nur das, was man eben so macht?

Spirituell betrachtet: Jeder Mensch hat seinen eigenen Seelenweg

Ich mag den Gedanken, dass wir nicht zufällig genau dieses Leben führen.

Dass unsere Wesenszüge, Talente, Sehnsüchte und auch unsere verrückteren Ideen etwas mit unserem persönlichen Weg zu tun haben.

Nicht jede Entscheidung muss für alle anderen Sinn ergeben.

Vielleicht muss sie manchmal nur für unsere Seele Sinn ergeben.

Und vielleicht ist Intuition genau das:

Eine innere Ahnung, die noch keine PowerPoint-Präsentation vorweisen kann.

Unser Verstand möchte gerne Beweise.

Die Seele sagt:

Vertrau mir.“

Das bedeutet natürlich nicht, dass wir jede spontane Eingebung ungeprüft in die Tat umsetzen müssen.

Spirituell zu leben heißt für mich nicht:

„Ich fühle es, also muss es richtig sein.“

Sondern eher:

Ich höre hin. Ich prüfe. Ich fühle. Ich übernehme Verantwortung. Und dann entscheide ich.“

Du darfst anderer Meinung sein

Das ist übrigens ganz wichtig.

Ich möchte nicht, dass alle meine Entscheidungen toll finden.

Du darfst meinen Camper völlig überflüssig finden.

Du darfst sagen:

„Das wäre überhaupt nichts für mich.“

Sehr gerne!

Aber der kleine Unterschied lautet:

Das wäre nichts für mich“ ist etwas anderes als „Das solltest du nicht tun.“

Das eine ist deine Wahrheit.

Das andere versucht, meine Wahrheit zu bestimmen.

Und da werde ich inzwischen ziemlich freundlich unbequem.

Mein neuer innerer Satz

Wenn jemand meine Entscheidung infrage stellt, frage ich mich:

Will diese Person mir wirklich helfen – oder möchte sie mich von ihrem eigenen Weltbild überzeugen?“

Und dann höre ich wieder in mich hinein.

Denn ich möchte nicht irgendwann zurückblicken und feststellen:

Ich habe mein Leben so eingerichtet, dass es für alle anderen vernünftig aussah.

Aber für mich selbst war es irgendwie zu klein.

Ich möchte lieber sagen können:

Ich habe gelebt.

Ich habe ausprobiert.

Ich habe mich geirrt.

Ich habe gelernt.

Ich habe manchmal völlig daneben gelegen.

Und manchmal mitten ins Schwarze getroffen.

Ich bin meinem Wesenskern gefolgt.

Vielleicht ist genau das Freiheit

Freiheit bedeutet für mich nicht, dass niemand eine Meinung zu mir hat.

Das wäre vermutlich sowieso unrealistisch.

Freiheit bedeutet:

Andere dürfen ihre Meinung haben – und ich darf trotzdem meine Entscheidung treffen.

Das ist ein großer Unterschied.

Ich muss niemanden überzeugen.

Ich muss meine Entscheidungen nicht vor einem inneren Gericht verteidigen.

Ich darf zuhören.

Ich darf prüfen.

Ich darf mich korrigieren.

Und ich darf auch einfach sagen:

Danke für deine Sorge. Ich mache es trotzdem.“

Mit Liebe.

Mit Humor.

Und möglichst ohne dabei den Camper rückwärts in den Gartenteich zu setzen.

Eine kleine Übung für deinen nächsten Lebensentscheid

Wenn du das nächste Mal eine wichtige Entscheidung triffst und von außen viele Meinungen auf dich einprasseln, zieh dich kurz zurück.

Atme.

Und frage dich:

Was will ICH?

Was fühlt sich für mich lebendig an?

Was ist meine Angst – und was ist die Angst der anderen?

Was würde ich wählen, wenn ich niemandem etwas beweisen müsste?

Und schließlich:

Welche Entscheidung bringt mich meinem Wesenskern näher?

Vielleicht kommt dann eine klare Antwort.

Vielleicht auch nicht sofort.

Aber manchmal müssen wir nicht sofort wissen, wie etwas gehen soll.

Manchmal reicht es, zu wissen:

Das ist mein Weg

Und dann den ersten Schritt zu machen.

Oder den Motor zu starten.

Je nachdem. 😉

Zum Schluss

Ich wünsche uns allen Menschen an unserer Seite, die nicht versuchen, uns passend zu machen.

Menschen, die sagen:

Ich hätte es anders gemacht. Aber ich sehe, dass es deins ist. Und ich wünsche dir, dass es gut für dich wird.

Was für ein Geschenk!

Und vielleicht können wir selbst genau solche Menschen werden.

Nicht Lebensberater für alle.

Nicht Richter über fremde Entscheidungen.

Sondern neugierige Wegbegleiter.

Denn vielleicht ist das die schönste Form von Liebe:

Ich muss deinen Weg nicht gehen, um dich auf deinem Weg zu unterstützen.

Und du musst meinen nicht verstehen.

Du darfst ihn einfach mir gehören lassen.

Ich jedenfalls fahre weiter.

Mit meinem Camper.

Mit meiner Neugierde.

Mit meinem manchmal ziemlich eigensinnigen Wesenskern.

Und mit dem tiefen Vertrauen:

Mein Leben muss nicht für alle anderen Sinn ergeben.

Es darf sich für mich richtig anfühlen.

Und wenn jemand fragt:

„Bist du sicher?“

Dann lächle ich.

Und sage:

Nein. Aber ich bin lebendig.“

Und manchmal ist das die schönere Form von Sicherheit.🚙